Die Armut grassiert – das Kapital kassiert
Wie das Statistische Bundesamt in einer neuen Studie veröffentlichte,
ist die Gefahr, unter die Armutsgrenze zu fallen, in bundesdeutschen
Städten besonders hoch. Als arm gilt, wer über weniger als 60 % des
mittleren deutschen Einkommens verfügt. Dies sind im
Bundesdurchschnitt 14 %. Somit lebt jeder siebte Deutsche mittlerweile
in Armut. Diese Menschen können sich oft das Nötigste nicht leisten
und werden auf die Dauer Opfer von sozialer Isolation, da es ihnen
finanziell kaum möglich ist, am kulturellen und gesellschaftlichen
Leben zu partizipieren.
In Städten wie Leipzig (27%), Hannover, Bremen, Dresden (alle 22%) und
Berlin (19%) müssen noch wesentlich mehr Menschen als im
Bundesdurchschnitt mit dem Schicksal leben, arm zu sein. Wie ist es
möglich, daß bei einer Arbeitslosenquote von 8-9% über 14% in Armut
leben?
Die Ursachen, daß die im Vergleich ?niedrige? Arbeitslosenquote von
einer immens höheren Armutsquote übertroffen wird, dürften
vielfältiger Natur sein. Die systematischen Manipulationen an der
Arbeitslosenquote, durch Wegrechnen von Ein-Euro-Jobbern, Frührentnern
und Personen, die sich aufgrund nicht vorhandener Vermittlungschancen
erst gar nicht mehr bei den Argen melden, sind ein Grund für die
frappierende Differenz der beiden Quoten.
Zusätzlich muß die Tatsache Beachtung finden, daß im angeblich
reichsten Staat, den wir je auf deutschem Boden hatten, 2,5 Millionen
Kinder in Armut aufwachsen müssen. Am Beispiel dieser Kinder wird das
Versagen der Systempolitiker besonders deutlich. Die, die sich selbst
nicht versorgen können, werden in dieser Ellenbogengesellschaft sich
selbst überlassen. Wenn es hierzulande nicht privat organisierte
Lebensmittelversorgungsstellen wie die Tafeln gäbe (mit mittlerweile
über 1 Million regelmäßigen Kunden), würden die skandalsüchtigen
Zeitungsgazetten des bundesdeutschen Blätterwaldes auch schon über die
ersten Hungertoten der BRD berichtet haben.
Auf der anderen Seite wächst ebenso die Zahl armer Rentner, die zwar
nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, aber immer öfter
in der Statistik, die die Armen unseres Landes abbildet. Die Zahl der
armen Alten wird aufgrund der Streichung der Zuschüsse zur
Rentenversicherung für Hartz IV-Empfänger, wie sie die Bundesregierung
derzeit anstrebt, noch Ausmaße annehmen, wie wir sie uns heute kaum
vorstellen können. 2008 bezogen rund 768.000 Deutsche Leistungen der
Grundsicherung im Alter, konnten also von ihrer eigenen, hart
erarbeiteten Rente nicht leben. Laut Ulrike Mascher, Präsidentin des
Sozialverbands VdK Deutschland, sind hierzulande vor allem jene
Personenkreise von Altersarmut bedroht, ?die vorzeitig erwerbsunfähig
werden, die aufgrund von Arbeitslosigkeit oder der Pflege von
Angehörigen nur brüchige Erwerbsbiografien vorweisen können oder von
Billigjobs ohne Altersabsicherung leben müssen”. Anders ausgedrückt:
die Billig-?Jobber? von heute sind die armen Rentner von morgen!
Das ist das Stichwort, welches die trügerische Wirkung der
Arbeitslosenquote im Hinblick auf die wesentlich höhere Armutsquote
noch verstärkt. In der real existierenden BRD können Unzählige von der
Arbeit, die sie glücklicherweise noch ausüben dürfen, nicht leben. Die
Zahl der ?Aufstocker?, also derjenigen, die trotz Arbeit nicht ohne
staatliche Zuschüsse auskommen, steigt ungebremst weiter. Derzeit
liegt sie bei über 1,2 Millionen Menschen in Deutschland. Diesem
Zustand wurde seit der Regierungsübernahme durch schwarz-gelb, die
vorher noch tönten, daß sich Arbeit wieder lohnen müsse, kein Einhalt
geboten. Im Gegenteil ? die Zahl steigt und droht das
Gerechtigkeitsverständnis der Deutschen vollends auf den Kopf zu
stellen.
Alle erwähnten Beispiele belegen, daß die katastrophale Lage, in der
wir Deutschen stecken, nicht an der offiziellen Statistik der
Arbeitslosenzahlen ersichtlich wird, sondern an der Zahl der
tatsächlich Armen und armutsgefährdeten Menschen in unserem Land.
Diese Zahlen sind das, im wahrsten Sinne des Wortes, Armutszeugnis
schlechthin für das bundesrepublikanische Parteienkartell.
So lange aber noch Boni an Manager-Versager ausgeschüttet werden,
Politiker sich ihre Diäten erhöhen und Gelder in Milliardenhöhe für
fremde Interessen verjubelt werden, und kaum einer sich dagegen
auflehnt, scheint der deutsche Michel noch zufrieden mit all dem zu
sein.
Doch spätestens wenn sich die feinen Herren ?da oben? aufgrund von
allzu verschwenderischer Politik dazu gezwungen sehen, nicht nur die
Heizkostenzuschüsse für Hartz IV-Empfänger zu streichen, sondern
gleich das ganze Hartz IV für die Hartz IV-Empfänger einzufrieren,
verliert auch dieses Systemerhaltungsgeld seine volksberuhigende
Wirkung. Dann wird jeder sehen und erkennen, daß dieses unsoziale und
menschenverachtende System der Massenarmut auf Sand gebaut hat und
abgewickelt gehört.
Ronny Zasowk