Dem Kapitalismus sei Dank: Tschernobyl unter Wasser steht uns bevor!


Vor einigen Wochen wurden wir fast täglich von den Massenmedien über 
die schrecklichen Umstände der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko 
informiert, bei der laut Informationen aus einer Anhörung des 
US-Kongresses täglich 95.000 Barrel Öl(über 15 Millionen Liter) 
unkontrolliert austreten. Nun ist es recht still geworden, warum, gilt 
es hier zu fragen.

Die Regierung Barack Obamas hat ein Verbot erlassen, demzufolge es 
untersagt ist, die durch BP verursachten Schäden zu fotografieren. 
Darüber hinaus hat die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA den Luftraum 
über dem Katastrophengebiet völlig gesperrt. Was sollen die 
US-amerikanischen Bürger nicht zu sehen bekommen? Warum dürfen 
einerseits die Bürger nicht Kenntnis über die wahren Ausmaße dieses 
von Menschenhand verursachten Super-GAUs erhalten, aber andererseits 
werden über 17.000 Mitglieder der Nationalgarde und von BP beauftragte 
private Sicherheitsdienstleister an den Golf entsandt, um die 
Bevölkerung, wenn nötig, mit Gewalt von den relevanten und 
unverfälschten Informationen über den tatsächlichen Stand der Dinge 
fernzuhalten?

Weil es langsam, aber sicher als erwiesen gelten kann, daß die 
Maßnahmen, die der Öl-Konzern BP zur Neutralisierung des ausgelaufenen 
Öls einsetzt, noch schwerwiegendere Folgen für die Natur und die 
Lebewesen in diesem einzigartigen Biotop haben werden als das Öl 
selbst. BP setzt die hochgiftige Substanz Corexit ein, welche zwar das 
Öl abbaut, aber gleichzeitig Tiere verenden und auf den Meeresboden 
sinken läßt(dies ist pressetechnisch für BP vorteilhafter, als wenn 
sie millionenfach an den Strand gespült werden würden). 
Wissenschaftler prognostizieren schon jetzt, daß die riesigen 
Öl-Teppiche aus dem gesamten Biotop eine ?tote Zone? machen werden, 
weil die Lebewesen nicht mehr genug Sauerstoff zur Verfügung haben. 
Auch wird schon vorhergesagt, daß sämtliche Maßnahmen ins Leere 
laufen, die Ölmassen schließlich doch die Küste erreichen und damit 
ganze Landstriche für immer kontaminieren werden.

All diese Informationen belegen, daß BP eine gezielte 
Verschleierungstaktik fährt, um die Öffentlichkeit über das wahre 
Schadensausmaß im Unklaren zu halten. Das alles nur, um den enormen 
Image-Verlust des Unternehmens nicht zu einem Absturz des gesamten 
Unternehmens werden zu lassen. Laut Spiegel beträgt der Börsenverlust 
des Unternehmens schon jetzt 50 %, der Wert der BP-Aktie hat sich also 
in wenigen Wochen halbiert.
Doch Mitleid für die Führungsetage dieser globalen Heuschrecke wäre 
fehl am Platze, da laut internen Dokumenten schon 11 Monate vor der 
Explosion erste Hinweise auf Sicherheitsdefizite vorgelegen haben 
sollen. Der Schaden, der durch diese durch Wachstumszwang und 
Marktradikalismus hervorgerufene Katastrophe für die menschliche 
Gesundheit, für die Natur und damit im Ernstfall für das Leben der 
Menschheit an sich entstanden ist, ist unermeßlich höher.

Es muß nur ein Hurricane das Wasser mitsamt den giftigen Substanzen 
aufwirbeln und auf das Land tragen, eine Vergiftung der 
landwirtschaftlich genutzten Flächen und damit der Lebensgrundlage der 
Menschen wäre die Folge. Oder aber das Wasser mitsamt der Substanz 
verdunstet und sammelt sich in einer Regenwolke und fällt als 
hochgiftiger Regen über dem bewohnten Land wieder ab. Die Folgen sind 
noch gar nicht zu kalkulieren. In Großbritannien, im Mutterland von BP 
ist die Substanz Corexit aufgrund ihrer toxischen Wirkung verboten, im 
Golf von Mexiko wurden  1.021.000 Gallonen(über 4 Millionen Liter) 
Corexit ins Meer geschüttet. Laut tagesschau-online ist die Vorliebe 
von BP für das hochgiftige Corexit kein Wunder, sondern durchaus 
Berechnung. Man sitzt ja nicht umsonst im Aufsichtsrat der 
Herstellerfirma Nalco, die mit den ?Beseitigungs?-Maßnahmen schon 
einen Umsatz von 40 Millionen Dollar erwirtschaftet hat.

BP diktiert derzeit der US-amerikanischen Regierung, welche Maßnahmen 
zu ergreifen sind, um einen Schleier der Unkenntnis über die 
Bevölkerung zu legen. In diesem Zusammenhang wird wieder mehr als 
deutlich, daß nicht mehr die gewählten Regierungen die Regeln 
aufstellen, sondern daß sie nur noch willfährige Marionetten des 
globalen Kapitals sind.

Wir Europäer sollten zur Kenntnis nehmen, daß der Ort der Katastrophe 
zwar noch viele Kilometer entfernt ist, aber aufgrund dessen, daß die 
austretenden Ölmassen noch gar nicht bezifferbar sind und der Atlantik 
zwei Seiten hat, auch wir bald unser schwarzes Wunder erleben könnten.

Damals, 1986, als Tschernobyl die Menschen in Angst und Schrecken 
versetzte, schwor man sich, den Menschen nicht gänzlich zum Sklaven 
der Technik und des kapitalistisch diktierten Wachstumszwangs werden 
zu lassen. Angesichts der aktuellen Öl-Katastrophe, deren Ausmaße die 
Folgen Tschernobyls in den Schatten stellen könnten, erkennen wir, daß 
die Menschheit nichts gelernt hat. Sie läßt sich weiterhin von einigen 
Wenigen einen unmenschlichen Wachstumszwang aufdiktieren, anstatt 
diese Brut in die Wüste zu jagen.

Ferner sollte bedacht werden, daß BP nicht nur Öl-Riese, sondern auch 
einer der aktivsten Finanzjongleure ist. Sollte BP aufgrund dieser 
Krise Bankrott gehen, könnte das ganze Szenario nicht nur zu einer 
Naturkatastrophe, sondern auch zu einer Finanz- und 
Wirtschaftskatastrophe noch nie dagewesenen Ausmaßes werden.

Ronny Zasowk

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